Aktuell

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2019/01/01]

Förderprogramm Filmerbe startet

Filmförderungsanstalt (FAA) federführend

1. Januar 2019. – Am 1. Januar 2019 startet das Förderprogramm Filmerbe. Für einen Zeitraum von zehn Jahren stehen jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen zur Verfügung. Die Mittel werden vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FAA) zu jeweils einem Drittel aufgebracht. Die Digitalisierung erfolgt nach Auswertungsinteresse, kuratorischem Interesse (aufgrund einer Nachfrage oder um die filmhistorische Vielfalt zu erhalten) und konservatorischer Notwendigkeit (aufgrund von Materialgefährdung). Die Förderungen werden von der Filmförderungsanstalt (FAA) gewährt.

Über eine Förderung nach kuratorischem und konservatorischem Interesse entscheidet jeweils ein Expertengremium. Über eine Förderung nach einem Auswertungsinteresse befindet wie bisher der Vorstand der FAA. Der zu digitalisierende Film soll im Kino aufgeführt worden oder kinotauglich sein. Nicht gefördert werden Filme, die „ursprünglich, primär oder ausschließlich für das Fernsehen oder den direkten Vertrieb über Video, DVD oder VOD produziert wurden.“

Antragsberechtigt sind die Rechteinhaber; im Falle einer Digitalisierung aus konservatorischen Gründen können Archive und Filmerbeeinrichtungen auch ohne Rechtenachweis Anträge stellen. Nicht antragsberechtigt sind Behörden der unmittelbaren Staatsverwaltung, Gemeinden und Rundfunkveranstalter. Eine Ausnahme hiervon besteht für das Bundesarchiv, das aber nur für Digitalisierungen aus konservatorischem Interesse bis zu einer Gesamthöhe von € 500.000,- jährlich antragsberechtigt ist.

Ein Exemplar der digitalen Fassung des Films muss in Vorführqualität dem Bundesarchiv übergeben werden. Der Förderempfänger muss Filmportal.de die filmografischen Daten zur Verfügung stellen und, bei Filmen über 60 Minuten, die ersten fünf Minuten dort zeitlich unbegrenzt einstellen.

Richtlinie und Antragsformulare zum Förderprogramm Filmerbe

[2018/12/30]

Zukunft des analogen Films: das Museumskino

Rainer Rother über unterschiedliche Qualitäten bei der Digitalisierung des Filmerbes

30. Dezember 2018. – In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk vom 28. Dezember bekräftigte Rainer Rother, künstlerischer Leiter der Deutschen Kinemathek, dass die Digitalisierung unabänderlich sei, „weil das 35mm-Filmmaterial, das wir bräuchten, gar nicht mehr produziert wird und es auch keine wirtschaftliche Perspektive gibt, um dieses Material in dem Analogen zu halten, auf Ewigkeit.“

Auf das Verschwinden der analogen Filmprojektoren aus den Kinos angesprochen, antwortete Rother: „Ich glaube, es wird auf eine Praxis hinauslaufen, in der – ich sag das jetzt gar nicht abwertend – Museumskinos oder museal orientierte, filmhistorisch orientierte Kinos, besondere Vorführungen auf 35mm werden garantieren können.“

Rother präzisierte, dass die Digitalisierungsförderung von Bund, Ländern und Filmwirtschaft darauf abziele, die Filme in der höchst möglichen Qualität zugänglich zu machen: „Wir versuchen das, was das Ausgangsmaterial hergibt, in das Digitale zu retten – und das wird nicht für alle Filme [...] zu machen sein.“ Das bedeute aber nicht, dass diese Filme verloren seien: Zum einen würden sie auf ihrem analogem Material im Archiv bewahrt und zum anderen würden auch diese Filme digitalisiert, wenn auch in geringerer Qualität: „Das reicht dann möglicherweise nicht, um sie idealerweise im Kino zu zeigen, aber es reicht um zu wissen, was für ein Film das ist.“

Online bis zum 6. Juli 2019

[2018/12/26]

Digitalisierung als Kompromiss

DEFA-Regisseure wirken bei der Digitalisierung ihrer Filme mit

26. Dezember 2018. – In Leuchtkraft 2018, dem kürzlich erschienenen Journal der DEFA-Stiftung berichtet Melanie Hauth, bei der DEFA-Stiftung für Digitalisierung und Restaurierung zuständig, über die digitale Neubearbeitung des Märchenfilms „Dornröschen“ (1970) von Walter Beck. Die DEFA-Stiftung, so Hauth, setze die digitalen Tools „sehr sparsam“ ein, „damit das ursprüngliche Aussehen und damit ein Stück weit das Kinoerlebnis und der Charme analoger Filme so gut es geht auch im Digitalisat bewahrt werden.“ (S. 48) Bei der Licht- und Farbbestimmung seines Films war der heute 88jährige Regisseur beratend eingebunden.

Über die Digitalisierung des sorbischen Filmerbes informiert Sylke Laubenstein-Polenz.

Lutz Dammbeck empfindet die „digitale Neubearbeitung“ seiner zwischen 1976 und 1986 bei der DEFA realisierten Animationsfilme als „Schande“: Die Digitalisierung heize die Klimakatastrophe an und führe „zu einer Verkünstlichung der Welt“. Dennoch beteiligt er sich freiwillig an der Digitalisierung seiner Filme und leidet unter dieser Inkonsequenz. Zwar könne man praktisch unbegrenzt im digitalen Bild arbeiten, es sei aber wichtig, „den Coloristen zu stoppen, ehe er alle seine tools anwirft.“ (S. 68) Dammbeck kritisiert auch die fehlende Normung, „der große Wirrwarr von Codes, Farbräumen und Formaten.“ Vieles sei vom Zufall abhängig und es sei fraglich, „ob das aufwändig und teuer hergestellte Digitalisat überhaupt noch einmal in der Qualität zu sehen und zu hören sein wird, wie zuvor bei der Abnahme im Kinoraum.“ Zum einen macht es Dammbeck Spaß, einen Film nochmals zu bearbeiten und ihn „so gut zu machen, wie er sein könnte.“ (S. 69) Andererseits weiß er aber auch, dass er Teil einer Digitalisierungsmaschinerie ist, die nicht mehr zu stoppen ist.

  • Farbe wie im Märchen? René Pikarski im Gespräch mit Melanie Hauth, in: Leuchtkraft 2018, S. 46-47
  • Sylke Laubenstein-Polenz: Digitalisierung als Chance zur Bewahrung kultureller Vielfalt, in: Leuchtkraft 2018, S. 70-71
  • Lutz Dammbeck: Schuld und Sühne, in: Leuchtkraft 2018, S. 68-69
  • "Leuchtkraft" ist online verfügbar

    [2018/12/18]

    Digitalisierung des Belegarchivs der Filmförderung Hamburg

    Weitere Finanzierung aber noch offen

    18. Dezember 2018. – Das Belegarchiv der Filmförderung Hamburg in der Kinemathek Hamburg dokumentiert in einzigartiger Weise und nahezu lückenlos einen wichtigen Abschnitt der Filmförderung in Hamburg. Mit der Gründung des Hamburger Filmbüros und der Installierung einer kulturellen Filmförderung wurde 1980 in vorbildlicher Weise auch ein Archiv angelegt, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Die rund 500 in der Kinemathek Hamburg archivierten Kopien der Filmförderung Hamburg zeugen heute von einer beispiellosen kreativen Aufbruchsphase in der Hamburger Filmszene.

    Es handelt sich bei diesen Filmen hauptsächlich um analoge Positivkopien, die zum Teil bereits deutliche Farbverluste aufweisen. Dazu Martin Aust, Geschäftsführer der Kinemathek Hamburg: „Um das Archiv zu erhalten müssen Sicherungskopien erstellt werden. Außerdem sollen die Filme auch weiterhin für die Vorführung im Kino zur Verfügung stehen. Das geht leider in den meisten Kinos nur noch digital.“

    Die Kinemathek Hamburg erhielt im letzten Jahr erstmalig 100.000 EUR von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg zur Digitalisierung des Belegarchivs. Mit diesen Mitteln wurden bis Ende dieses Jahres 26 Titel digitalisiert. Um Kosten zu sparen, kooperierte die Kinemathek bei der Digitalisierung der Filme von Lutz Dammbeck mit der Deutschen Kinemathek und bei den Filmen von Monika Treut mit der Edition Salzgeber. Digitalisiert wurden ferner Arbeiten von Claudia von Alemann, Robert Bramkamp, Christian Bau, Artur Dieckhoff, Martina Fluck, Hannes Fuchs, Silke Grossmann, Maria Hemmleb, Helmut Herbst, Jutta Hercher, Jochen Hiltmann, Winfried Parkinson, Dieter Rühmann, Jan Schütte, Hyun-Sook Song sowie von Max Willutzki.

    Martin Aust: „Die großen Archive sind mit der Digitalisierung ihrer eigenen Bestände ausgelastet, so dass wir der Meinung sind, dass auch regionale Archive wie das Archiv der Kinemathek Hamburg öffentliche Mittel erhalten müssen, damit diese Bestände nicht verloren gehen.“ Ob die Behörde für Kultur und Medien Hamburg der Kinemathek Hamburg weitere Mittel zur Verfügung stellen wird, ist derzeit noch nicht entschieden.

    Das Archiv der Kinemathek Hamburg umfasst über das Belegarchiv der Filmförderung Hamburg hinaus insgesamt rund 5.800 Filme.

    [2018/12/11]

    Sicherheit durch Erhalt des Filmerbes auf Filmmaterial

    Plädoyer von FIAF-Präsident Frédéric Maire – Hilfe für analoge Filmlabore angemahnt

    11. Dezember 2018. – In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard spricht Frédéric Maire, Präsident der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) und Direktor der Cinémathèque Suisse über die Digitalisierung der Filmarchive. Er weist darauf hin, dass es bei der Speicherung von Digitalisaten derzeit „keine internationalen Normen“ gibt. Das sei normal, „denn wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära. Als der Tonfilm kam, hat es auch Jahre gedauert, bis sich ein System weltweit durchgesetzt hat.“

    Der FIAF-Präsident verweist auf die enorme Speicherleistung und die damit verbundenen Kosten, um die originalen Dateiformate aufzubewahren: „Die Kluft, die es schon in der Erhaltung des analogen Films zwischen den Institutionen gab, wird dadurch noch größer. Deshalb ist die Lösung, bei der Erhaltung des Erbes auf Film als Material zurückzukehren, nicht die absurdeste Lösung. Weil dies Sicherheit bietet.“

    Maire plädiert zudem dafür, analog aufgenommene Filme auch im Original vorzuführen. Der analoge Film sei zu einer Nische geworden. „Den Labors, die noch existieren und die es weiter geben muss, muss geholfen werden.“ Die Digitalisierung hätte aber zu einer Öffnung der Archive beigetragen.

    Zum Gespräch in Der Standard vom 11.12.2018


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