Stand der Digitalisierung

[2014/10/16]

Erst ganz am Anfang – Digitalisierung des deutschen Filmerbes

Jeanpaul Goergen


1. Teil: Kinematheksverbund

Die Zusammenstellung informiert über den Stand der Digitalisierung des Filmerbes, soweit es bei den Mitgliedern des Kinematheksverbundes (Bundesarchiv, Deutsche Kinemathek, Deutsches Filminstitut – DIF), seinen kooptierten Partnern (Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum München, Filmmuseum Potsdam, CineGraph Hamburg und Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) und seinen Gästen (DEFA-Stiftung und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) archiviert ist. Berücksichtigt wurden ausschließlich DCPs für den Verleih, nicht jedoch Sichtungskopien auf DVD oder Ausspielungen auf Blu-ray. Recherchiert wurde zudem, wieviele Filme online gestellt sind. Nicht aufgenommen sind Digitalisierungen zur archivarischen Sicherung von Filmen.

Stand der Recherche: 22. Juni 2016

Die Digitalisierung des hier im weitesten Sinne verstandenen deutschen Filmerbes innerhalb des Kinematheksverbundes steht unverändert erst am Anfang. Gegenüber der letzten Erhebung von Januar 2016 sind bei DCPs für Kinoaufführungen nur bei der DEFA-Stiftung deutliche Fortschritte zu verzeichnen; die Zahl der online gestellten Videos dagegen stagniert.

Mit Stand von Juni 2016 haben die Deutsche Kinemathek, das Filmmuseum München, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und das Deutsche Filminstitut–DIF ca. 573 DCPs im Verleih, fast ausschließlich deutsche Produktionen. DCPs der Murnau-Stiftung, die auch über andere Archive verliehen werden, wurden aus deren Angebot herausgerechnet.


Stiftung Deutsche Kinemathek (inkl. Filme der DEFA-Stiftung): 358 DCPs
Filmmuseum München: ca. 100 DCPs
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung: 79 DCPs
Deutsche Filminstitut–DIF: 36 DCPs

Aus den Archiven des Kinematheksverbundes sind im Juni 2016 3677 Filme aller Art in voller Länge [Januar 2015: 3428] über offizielle Kanäle online. Kuratierte und kommentierte Zusammenstellungen fehlen aber weiterhin ganz. Da die Filme teilweise auf mehreren Plattformen liegen, enthält diese Angabe eine gewisse Fehlerquote.

Die Archive beteiligen sich zudem an der "Edition Filmmuseum" sowie an weiteren DVD-Kaufeditionen.

A. Digitale Verleihkopien

Die Deutsche Kinemathek archiviert ca. 26500 nationale und internationale Produktionen. Rund 17500 Filme sind gesichert und stehen zur Ansicht im Hause zur Verfügung. In der Datenbank des Filmverleihs der Deutschen Kinemathek sind mehr als 4000 Filme sowie rund 7500 Filme des DEFA-Filmstocks recherchierbar. An digitalen Kopien verleiht die Kinemathek 358 DCPs [Stand April 2015: 17 / Januar 2016: 333]. 281 Digitalisierungen kommen aus dem DEFA-Rechtebestand, 77 Titel aus dem eigenen Bestand, darunter auch acht Titel der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung sowie einige ausländische Filme. Alle DCPs können über die Verleihfilm-Datenbank der Deutschen Kinemathek recherchiert werden. Auch andere digitale Formate wie Blu-ray und Digibeta werden angeboten.

Die DEFA-Stiftung hat ausweislich ihrer Website bis Juni 2016 306 Filme aus ihrem Rechtebestand digitalisiert [November 2015: 256]. Die digitalen Kopien (DCP) verleiht sie über die Deutsche Kinemathek. Die Website der DEFA-Stiftung gibt eine Übersicht über die digitalisierten Titel.

Das Deutsche Filminstitut-DIF verfügt über rund 20000 Filmkopien. Es verleiht 52 DCPs von 75 Filmen, darunter auch 33 Tonbilder auf zwei DCPs. Ohne 16 Titel, die auch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung anbietet, sind es 36 DCPs von 59 Filmen. [Stand April 2015: 29 DCPs]. Die Liste mit Stand August 2015 ist auf der Seite Verleihprogramm als pdf hinterlegt.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert etwa 6000 deutsche Produktionen im eigenen Rechtebestand. Hinzu kommt ein Filmstock von ca. 20000 treuhänderisch verwalteten Titeln. Ein Großteil kann im Hause gesichtet werden oder wird analog verliehen. Aus dem eigenen Rechtebestand werden 79 DCPs [Januar 2016: 76] verliehen; eine Liste (Stand: März 2016) kann hier als pdf eingesehen werden. Einige DCPs werden gleichzeitig über das Deutsche Filminstitut – DIF (16 Titel) und die Deutsche Kinemathek (8 Titel) angeboten. Zu vielen Titeln stehen auch andere digitale Formate wie Digital Betacam, HDCam oder Files zur Verfügung.

Das Filmmuseum München (Bestand: 6000 Titel; Schwerpunkte: deutsche und sowjetische Stummfilme, früher Tonfilm und Mehrsprachenversionen, Klassiker des Avantgardefilms sowie Filme von Münchner Regisseuren) arbeitet seit 2001 digital. Eine Liste der digital verleihbaren Restaurierungen deutscher und internationaler Produktionen findet sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" (2013). Diese Liste unterscheidet allerdings nicht zwischen DCP, Blu-ray, Beta-Tape oder DVD. Mit Stand vom Januar 2016 verleiht das Filmmuseum München rund 100 DCPs, von denen 70 Titel "starke deutsche Bezüge" aufweisen.

Das Bundesarchiv-Filmarchiv (Bestand: rund 150000 Filme) bietet 70194 Medien zur Benutzung an. Wählt man nur „Filme“, kommt man auf 46223 35mm- und 16mm-Filme. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie auch alle benutzbar sind; viele Titel sind wegen zu hoher Schrumpfung für die Ausliehe gesperrt. Ausweislich der Online-Datenbank (Stand: 15.12.2015) bietet das Bundesfilmarchiv derzeit keine digitalen Verleihkopien an.

Das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf (Bestand: 6000 Titel) sowie das Filmmuseum Potsdam verleihen keine DCPs ihrer Filme.

B. Filme online

Auf der "Videos"-Seite von filmportal.de sind 2674 Titel [April 2015: 2038 / Januar 2016: 2514] abrufbar, zum größten Teil Trailer aktueller Produktionen sowie Filmausschnitte, Features und Aufzeichnungen von Diskussionen und Vorträgen. Ohne diese kommt man auf 359 [Juli 2016] in voller Länge eingestellte Filme. Das Bundesarchiv-Filmarchiv steuert 164 [April 2015: 158], das Deutsche Filminstitut-DIF 101 [April 1915: 76], die Deutsche Kinemathek 30 [April 2015: 30; darunter 6 ausländische Filme] und die Murnau-Stiftung 13 Titel bei. Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg im Haus des Dokumentarfilms ist mit 20 Videos vertreten.

Über das European Film Gateway EFG mit derzeit 8560 Videos hat man Zugriff auf eine Auswahl der bereits bei filmportal.de verfügbaren Titel. Das DIF hat 1399 Videos aller Art eingestellt. Das Bundesarchivs zeigt 165 Filme (Januar 2016: 164); es handelt sich um die gleichen Filme wie auf filmportal.de. Mit 45 Videos bietet die Kinemathek 15 Filme mehr an als auf filmportal.de; darunter auch vier ausländische Produktionen.

Auf der Deutschen Digitalen Bibliothek als dem „zentralen nationalen Portal für Kultur und Wissenschaft“ sind 3914 Videos [April 2015: 1533] eingestellt, von denen das Deutsche Filminstitut-DIF 1478 Videos [April 2015: 1448] beisteuert, vorwiegend Trailer. Alle Videos dürften auch auf filmportal.de verfügbar sein. Das Bundesarchiv-Filmarchiv hat 159 [April 2015: keine] und die Murnau-Stiftung 63 Videos eingestellt. Der starke Anstieg ist auf die Videos der Technischen Informationsbibliothek (TIB) zurückzuführen, die wissenschaftliche Filme eingebracht hat.

Das Bundesarchiv-Filmarchiv bietet in seiner Filmothek Zugriff auf 3428 Filme [April 2015: 2300], vor allem Wochen- und Monatsschauen, aber auch Filme zum Ersten Weltkrieg sowie Dokumentationen des Bundespresseamtes. Abgedeckt werden die Zeiträume 1914-1918 sowie 1945-1998. 110 Filme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind ebenfalls über filmportal.de, das European Film Gateway EFG und die Deutsche Digitale Bibliothek abrufbar; Infos über diesen Bestand sind auf dieser Seite der Filmothek verfügbar.

C. Kauf-DVDs

An der DVD-Publikationsreihe Edition Filmmuseum nehmen Filmarchive und kulturelle Institutionen im deutschen Sprachraum teil. Die dort veröffentlichten Filme werden auch oft für Vorführungen genutzt.
Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wertet zahlreiche Filme national und international auf DVD und BluRay aus. Allein auf dem deutschen Markt sind über 80 Titel erhältlich.
Das Bundesarchiv-Filmarchiv beteiligt sich zudem an der von CineGraph Hamburg bei absolut Medien jährlichen erscheinenden DVD-Reihe cinefest Edition mit bisher neun Ausgaben.
Ebenfalls bei absolut Medien gibt das Deutsche Filminstitut-DIF die Archivedition Erster Weltkrieg heraus.
Auch die Kinemathek gibt in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Verlagen DVDs wichtiger Filme heraus.

D. Recherche

Die am 1.1.2016 gestartete neue Verleihdatenbank der Deutschen Kinemathek erlaubt auch die Recherche nach digitalen Kopien; das DIF und die Murnau-Stiftung halten ihre DCP-Verleihlisten als pdf bereit. Die Titel des Filmmuseums München finden sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" aus dem Jahr 2013.

Seit Februar 2015 ist es möglich, über die Seite "Filme von A-Z" auf filmportal.de, die Verfügbarkeit von Filmen auch nach der Kategorie „Verleih digital“ [d.h.: als DCP] zu recherchieren. Insgesamt listet filmportal.de 88888 Filme [April 2015: 84848 / Januar 2016: 87043]; davon sind 2158 Titel auf DCP verfügbar [April 2015: 1739 / Januar 2016: 1957]. Berücksichtigt sind neben den Filmarchiven auch gewerbliche Verleiher. Die vom Filmmuseum München verliehenen DCPs sind nich nachgewiesen.

Setzt man den Beginn der Digitalisierung auf 2005 an, so sind im Juni 2016 für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 686 Filme auf DCP nachgewiesen [April 2015: 484 / Januar 2016: 598]:

  • Das Kaiserreich (1895-1918) ist mit 45 Filmen [April 2015: 23] vertreten; hier vor allem die vom Deutschen Filminstitut und der Deutschen Kinemathek digitalisierten Tonbilder
  • Weimarer Republik (1919-1932): 77 Filme [Januar 2016: 74 / April 2015: 65]
  • "Drittes Reich" (1933-1944): 29 Filme [Januar 2016: 27 / April 2015: 17]
  • Ab 1945 bis 2004: 535 Filme [Januar 2016: 457].

  • Recherche und Zusammenstellung: Jeanpaul Goergen. Die letzten Erhebungen datierten 27. April 2015 und 31. Januar 2016. Die nächste Übersicht erscheint zum Jahresende.


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