Stand der Digitalisierung

[2015/08/20]

„Prioritäten setzen“

19.8.2015. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur

Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, begrüßt das in der pwc-Kostenabschätzung zur digitalen Sicherung des Filmerbes vorgeschlagene Drei-Säulen-Modell, das eine gleichberechtigte Digitalisierung nach drei Kriterien – Auswertung durch die Filmwirtschaft, konservatorische Sicherung, kuratorischer Bedarf – vorschlägt. Dieses „Drei-Säulen-Modell“ gehe auf einen Beschluss des Kinematheksverbundes von 2014 zurück.

Zur Frage der Auswahl verweist Rother auf das Vorbild Frankreich, wo ein Gremium, in dem u.a. die Filmwirtschaft und die Archive und Kinematheken vertreten sind, entscheidet, welche Filme vorrangig digitalisiert werden sollen. Mit dem von PricewaterhouseCoopers vorgeschlagenen Programm – auf zehn Jahre verteilt 100 Millionen Euro – werde man „nicht alles digitalisieren können, aber man kann Prioritäten setzen, man kann Entscheidungen treffen und man kann auch die ganze Filmegeschichte, wenn auch nur in einem Teil, prioritär abbilden.“ Nach zehn Jahren, so Rother, sei eine Evaluierung vorgesehen, um zu überprüfen, ob dieses Budget ausreicht oder ob es erhöht werden muss.

Dem Vorschlag des pwc-Gutachtens, die analogen Filmmaterialien nach der Digitalisierung zu kassieren, erteilt er eine klare Absage; das sei „Vandalismus“. Der Kinematheksverbund habe immer gefordert, die Sicherung des analogen Filmes müsse eine „Zukunftsaufgabe“ bleiben.

In Bezug auf die Umsetzung des Programms mahnt Rother dringenden Handlungsbedarf an. Ohne eine langfristige Digitalisierungs-Perspektive drohen die jetzt noch in Deutschland vorhandenen filmtechnischen Kapazitäten und das entsprechende Know-How verloren zu gehen. Es sei zudem notwendig, die Digitalisierungsgelder fest im Bundeshaushalt zu verankern. Wichtig sei auch ein Zeitpunkt, an dem das Programm beginnen kann: „Je früher, desto besser, weil sich dann alle auch darauf vorbereiten können. Es bedarf bestimmter Vorarbeiten. Man muss sich über die Priorisierung Gedanken machen, wie könnte ein solches Gremium zusammengesetzt sein, wie ist eine Kontrolle zu gewährleisten, ob das Material dann auch entsprechend digitalisiert wurde, das ist eher in den Archiven intern zu realisieren, und das bedarf schon eines gewissen Vorlaufes, das geht nicht von heute auf morgen.“

Hier geht es zur Audio-Datei des Interviews und den übrigen Beiträgen dieser Sendereihe

Deutschlandradio Kultur, Fazit, 19. August 2015

Permalink: filmerbe.org/ref/?174

frühere/spätere Versionen

  • Erneut nur geringe Fortschritte bei der Digitalisierung – Keine Verbesserung beim Online-Zugang  (Dezember 2020)
  • Leichte Fortschritte bei der Digitalisierung – Keine Verbesserung beim Online-Zugang  (Oktober 2019)
  • Schleppende Digitalisierung – Kaum Fortschritte beim Online-Zugang  (Oktober 2018)
  • Erst ganz am Anfang – Digitalisierung des deutschen Filmerbes  (Januar 2018)

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