État de la numérisation

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[2018/10/08]

Schleppende Digitalisierung – Kaum Fortschritte beim Online-Zugang

Jeanpaul Goergen
Stand: Oktober 2018

Diese Zusammenstellung informiert über den Stand der Digitalisierung des Filmerbes, soweit es bei den Mitgliedern des Kinematheksverbundes (Bundesarchiv, Deutsche Kinemathek, Deutsches Filminstitut – DIF), seinen kooptierten Partnern (Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum München, Filmmuseum Potsdam, CineGraph Hamburg und Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) und seinen Gästen (DEFA-Stiftung und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) archiviert ist.

Berücksichtigt werden ausschließlich DCPs für den Verleih, nicht jedoch Digibetas, HDFiles, Sichtungskopien auf DVD oder Ausspielungen auf Blu-ray. Nicht aufgenommen sind Digitalisierungen ausschließlich zur archivarischen Sicherung. Recherchiert wird aber, wie viele Filme von den Mitgliedern des Kinematheksverbunds online gestellt sind.

Die Recherche wird durch die Zersplitterung der deutschen Archivlandschaft und der Zugänge erschwert. Nicht alle melden ihre digitalisierten Filme zeitnah an das Filmportal als das zentrale Internet-Plattform zum deutschen Film. Vermisst wird auch eine verlässliche Übersicht der auf den unterschiedlichen Plattformen online gestellten Filme.

Die Digitalisierung des hier im weitesten Sinne verstandenen deutschen Filmerbes innerhalb des Kinematheksverbundes steht auch im Oktober 2018 weiterhin am Anfang. Immerhin sind gegenüber der letzten Erhebung von Januar 2018 bei der Bereitstellung von DCPs Fortschritte zu verzeichnen: Neue DCP entstanden bei der Deutschen Kinemathek [+ 62], der DEFA-Stiftung [+ 49], der Murnau-Stiftung [+ 20], dem Filmmuseum Potsdam [+ 14] und dem Bundesarchiv [+6].

Mit Stand von Oktober 2018 haben die Deutsche Kinemathek, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, das Deutsche Filminstitut–DIF, das Filmmuseum München und das Filmmuseum Potsdam rund 925 DCPs im Verleih [Januar 2018: rund 795]. DCPs der Murnau-Stiftung, die auch über andere Archive verliehen werden, wurden aus deren Angebot herausgerechnet.

Die Zahl der online gestellten Filme stagniert weiterhin.


1. Digitale Verleihkopien als DCP

Die Deutsche Kinemathek archiviert rund 26.500 nationale und internationale Produktionen. An die 17.500 Filme sind gesichert und stehen zur Ansicht im Hause zur Verfügung. In der Filmverleih-Datenbank sind knapp 4.000 Filme der Kinemathek sowie rund 17.600 Filme des DEFA-Filmstocks recherchierbar. Nicht alle eingestellten DEFA-Titel sind aber auch in Verleihkopien vorrätig. – An digitalen Kopien verleiht die Kinemathek aktuell 643 DCPs [Januar 2018: 532]. 443 Digitalisierungen kommen aus dem DEFA-Rechtebestand [Januar 2018: 394], 200 DCPs [Januar 2018: 138] aus dem eigenen Bestand, darunter auch 15 Titel der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und ausländische Filme. Ohne die Filme der Murnau-Stiftung verleiht die Deutsche Kinemathek 628 DCPs. Alle DCPs können über die Verleihfilm-Datenbank recherchiert werden. Auch andere digitale Formate wie Blu-ray und DigiBeta sind recherchierbar.

Auf der Website der DEFA-Stiftung findet sich ebenfalls eine Übersicht über die digitalisierten Titel aus deren Rechtebestand.

Das Deutsche Filminstitut-DIF verfügt über rund 20.000 Filmkopien. – Das DIF verleiht 81 DCPs von 103 Filmen [Januar 2018: 77]. Zwei DCPs enthalten 33 restaurierte Tonbilder. Neben Filmen der Murnau-Stiftung verleiht das DIF auch einige DCPs von aktuellen ausländischen Produktionen bzw. Ko-Produktionen. Ohne die Filme der Murnau-Stiftung hat das DIF 53 eigene DCPs im Verleihangebot. Eine Übersicht mit Stand Juni 2018 ist auf der Website Verleihprogramm als pdf hinterlegt.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert etwa 6.000 deutsche Produktionen im eigenen Rechtebestand. Hinzu kommt ein Filmstock von rund 20.000 treuhänderisch verwalteten Titeln. – Aus dem eigenen Rechtebestand werden gegenwärtig 131 DCPs [Januar 2018: 111] verliehen; eine Liste von September 2018 kann hier als pdf heruntergeladen werden. Alle Filme sind zudem als Blu-ray ausleihbar. Einige DCPs werden auch über das Deutsche Filminstitut – DIF und die Deutsche Kinemathek verliehen.

Das Bundesarchiv mit rund 150.000 Filmen bietet mit Stand 14. September 2018 insgesamt 68.081 Medien zur Benutzung an (15. Dezember 2015: 70.194). Wählt man nur „Filme“, kommt man auf 46.426 35mm- und 16mm-Filme (Januar 2018: 46.428) – ein Minus von zwei Filmen. Nicht alle Filme sind tatsächlich ausleihbar; Benutzerkopien können wegen zu hoher Schrumpfung für die Ausleihe gesperrt werden. Das Bundesarchiv verleiht derzeit sechs DCPs, die aber noch nicht in der Online-Datenbank eingestellt sind. Es ist beabsichtigt, Informationen über DCPs demnächst auch über diese Datenbank auszuweisen.

Das Filmmuseum Potsdam verleiht 14 DCPs.

Das Filmmuseum München (Bestand: 6.000 Titel; Schwerpunkte: deutsche und sowjetische Stummfilme, früher Tonfilm und Mehrsprachenversionen, Klassiker des Avantgardefilms sowie Filme von Münchner Regisseuren) arbeitet seit 2001 digital. Eine Liste der digital verleihbaren Restaurierungen deutscher und internationaler Produktionen findet sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" (2013). Diese Liste unterscheidet allerdings nicht zwischen DCP, Blu-ray, Beta-Tape oder DVD. Mit Stand Januar 2016 verleiht das Filmmuseum München rund 100 DCPs, von denen 70 Titel "starke deutsche Bezüge" aufweisen.

Im September 2016 veröffentlichte der Kinematheksverbund eine Liste aller Digitalisate der Mitglieder des Kinematheksverbunds bis 2016. Sie umfasst sämtliche digitalen Formate bis zu 2K, berücksichtigt aber nur die Digitalisierungen der Deutschen Kinemathek, des Deutschen Filminstituts – DIF, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und der DEFA-Stiftung. Eine aktualisierte Fassung liegt nicht vor.


2. Filmerbe online

Auf der "Videos"-Seite von filmportal.de sind derzeit 3.440 Titel [Januar 2018: 3.218] abrufbar. Es handelt sich zum größten Teil um Trailer aktueller Produktionen sowie Filmausschnitte, Features und Aufzeichnungen von Diskussionen und Vorträgen. Ohne diese kommt man auf 398 [Januar 2018: 390] in voller Länge eingestellte Filme, zumeist Kurzfilme, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Eine Auswertung nach Jahren ist nicht möglich. Das Bundesarchiv-Filmarchiv steuert unverändert 164, die Deutsche Kinemathek unverändert 30 und die Murnau-Stiftung ebenfalls unverändert 13 Titel bei. Nur das Deutsche Filminstitut-DIF hat die Zahl seiner Videos auf 136 [Januar 2018: 134] erhöht.

Das European Film Gateway EFG hält aktuell 53.489 [Januar 2018: 42.611] Videos bereit. Die Plattform bietet Zugriff auf eine Auswahl der bereits auf filmportal.de verfügbaren Titel. Das DIF hat 2.519 Videos aller Art [Januar 2018: 1.399] eingestellt, zumeist Teaser und Trailer. Das Bundesarchiv zeigt unverändert 165 Filme [Januar 2016: 164]. Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg im Haus des Dokumentarfilms ist gleichfalls unverändert mit 20 Videos vertreten. Unverändert auch das Angebot der Kinemathek mit 46 Videos. EFG bietet nur wenige Filterfunktionen an; fast alle hier eingestellten Titel dürften aber auch auf filmportal.de eingestellt sein.

Auf der Deutschen Digitalen Bibliothek als dem „zentralen nationalen Portal für Kultur und Wissenschaft“ sind derzeit 3.942 „Videos“ eingestellt. Diese Zahl stagniert seit mindestens zwei Jahren, waren doch im Juni 2016 bereits 3.914 Videos verfügbar. Die aktuell angebotenen Videos machen zudem nur 0,016 % aller Objekte in der DBB aus. In der Regel hält die DDB die Digitalisate nicht selbst vor, sondern verlinkt auf die Webportale der Datengeber. – Setzt man den Beginn der Digitalisierung mit 2005 an und filtert Ausschnitte, Interviews, Teaser und Trailer sowie Veranstaltungsmitschnitte heraus, so verbleiben 547 Titel für den Zeitraum bis 2004. Hauptdatengeber ist die Technische Informationsbibliothek mit 243 Filmen. Die Beteiligung der Archive aus dem Kinematheksverbund ist unverändert niedrig: Das Bundesarchiv-Filmarchiv hat 160 und das Deutsche Filminstitut-DIF 96 Titel eingestellt, dem Filmportal sind kurioserweise 23 Titel zugeschrieben, das Haus des Dokumentarfilms ist mit 20 und das Filmmuseum Düsseldorf mit zwei Filmen gelistet. Die Deutsche Kinemathek ist auf dieser Plattform nicht vertreten. Diese Videos dürften auch auf filmportal.de zu sehen sein.

Das Filmarchiv des Bundesarchivs bietet in seiner seit Anfang 2014 im Aufbau befindlichen Filmothek Zugriff auf 3.482 Filme [+ 49 Titel im Vergleich zu Januar 2018], vor allem Wochen- und Monatsschauen, aber auch Filme aus dem Ersten Weltkrieg sowie Dokumentationen des Bundespresseamtes. Abgedeckt werden die Zeiträume 1914-1918 sowie 1945-1998. Das „Dritte Reich“ ist mit zwei RWU-Filmen zum Ersten Weltkrieg auffällig unterrepräsentiert. Das Kaiserreich (1914-1918) ist mit 102 Filmen, die Weimarer Republik mit 50 Filmen vertreten. Das Gros der eingestellten Filme stammt aus dem Zeit von 1945 bis 1998. – 110 Filme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind ebenfalls über filmportal.de, das European Film Gateway EFG und die Deutsche Digitale Bibliothek abrufbar; Infos über diesen Bestand sind auf dieser Seite der Filmothek verfügbar.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in ihrer Mediathek Zugriff auf DEFA-Filme sowie Filme des Marshall-Plans; das Filmmuseum Potsdam stellt Ausschnitte aus 97 DDR-Amateurfilmen auf https://brandenburg.museum-digital.de/ bereit.

Aus den Archiven der Teilnehmer des Kinematheksverbundes stehen derzeit an die 4.000 Filme aller Art und in voller Länge online [Januar 2018: 3.730]. Da Filme gleichzeitig auf mehreren Plattformen liegen, ist diese Zahl nicht exakt zu ermitteln. Der Anstieg ist aber weiterhin sehr bescheiden. Kuratierte und kommentierte Zusammenstellungen fehlen; der Erschließungsgrad der Filme lässt zu wünschen übrig. Vermisst wird ein zentraler Einstiegspunkt, um online gestellte Titel des Filmerbes schnell und zuverlässig zu finden.


3. Editionen auf DVD und Blu-ray

Die Mitglieder des Kinematheksverbundes, ihre kooptierten Partner und Gäste beteiligen sich an zahlreichen Editionen. Das Filmportal weist für den Zeitraum 1895 bis 2005 insgesamt 4.857 Titel nach, die auf DVD bzw. Blu-ray vorliegen. 46 Titel stammen aus dem Kaiserreich, 169 aus der Weimarer Republik sowie rund 230 aus der Zeit des Nationalsozialismus.


4. Recherche über Filmportal.de

Seit Februar 2015 ist es möglich, über die Seite "Filme von A-Z" auf filmportal.de die Verfügbarkeit von Filmen auch nach der Kategorie „Verleih digital“ [= DCP] zu recherchieren. Nicht alle DCPs werden zeitnah bei Filmportal.de angemeldet, sodass das Portal hier seine Aufgabe als zentrale Internet-Plattform des deutschen Films nur bedingt erfüllen kann. Leider stimmen auch die Angaben in den Verleihlisten und Datenbanken nicht immer überein. Die folgenden Zahlen sind daher mit einer Fehlerquote behaftet, düften in der Tendenz aber zutreffen.

Filmportal.de führt 102.147 Filme an, davon sind 3.373 Titel auf DCP verfügbar [Januar 2018: 2.997]. Die Daten lassen sich nicht nach den einzelnen Filmerbeeinrichtungen und weiteren Anbietern filtern.

Setzt man den Beginn der Digitalisierung auf 2005 an, so weist Filmportal.de derzeit für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 1.279 Filme auf DCP nach [Januar 2018: 1.109]. Der deutliche Unterschied zu den 925 vom Kinematheksverbund gemeldeten DCPs erklärt sich u.a. daraus, dass einige DCPs mehrere Titel enthalten; auch berücksichtigt das Filmportal gewerbliche Verleiher. Hinzu kommen Datenbankfehler.

  • Das Kaiserreich (1895-1918) ist mit 60 Filmen [+ 4 im Vergleich zu Januar 2018] vertreten; hier vor allem die vom Deutschen Filminstitut und der Deutschen Kinemathek digitalisierten Tonbilder
  • Weimarer Republik (1919-1932): 115 Filme [+ 7 im Vergleich zu Januar 2018]
  • "Drittes Reich" (1933-1944): 54 Filme [+ 11 im Vergleich zu Januar 2018]
  • Ab 1945 bis 2004: 1.050 Filme [+ 147 im Vergleich zu Januar 2018]
  • Von den 284 Filmen aus der Zeit von 1895 bis 2004, die laut Filmportal online verfügbar sind, sind aber nur neun auch als DCP ausleihbar.


    Stand der Recherche: Oktober 2018

    Recherche und Zusammenstellung: Jeanpaul Goergen. Die letzten Erhebungen vom 27. April 2015, 31. Januar 2016, 22. Juni 2016 sind in der Zusammenstellung von Januar 2018 zusammengefasst.

    Versions préalables/suivantes

  • Erst ganz am Anfang – Digitalisierung des deutschen Filmerbes  (janvier 2018)

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